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Struck 9 – Ritual Body Music | Review by Mensch Maschinen Musik

by Batwarrior242 | 07.05.2018 |


Südamerika ist als Kontinent sonniger Gemüter bekannt, dessen musikalische Ergüsse sich oftmals als weniger dunkel erwiesen. Doch auch dort finden sich wie überall auf der Welt so einige Underground-Szenen deren Vernetzung in Zeiten sozialer Netzwerke bekanntlich leichter geworden ist. Was zunächst mit einer Harsh Electro-Fanbase auf mexikanischem Boden anfing dehnte sich über den gesamten Kontinent immer weiter aus, so dass selbst europäischer Oldschool EBM und überraschenderweise auch deutscher Anhalt EBM dort heut zu Tage gefragter ist wie nie zuvor. Dies hat natürlich zur Folge, dass sich auch dort regionale Künstler aus diesem Bereich etablieren wollen. Einer davon ist der Kolumbianer Andres Orion, besser bekannt unter dem Pseudonym Struck 9. Dieser veröffentlichte 2010 ein sozialkritisches Album Namens “Democracy”, welches sich gut in den damaligen Zeitgeist eingliedern ließ und nun mit der klaren Ansage Ritual Body Music über das etablierte italienische Label EK Productnachlegt. Das Album beinhaltet zehn Tracks sowie zwei Remixe von den Label-Kollegen Autodafeh & Atropine.
Das Album legt auch sofort mit dem gleichnamigen Albumtitel und interessanten atmosphärischen Effekten los. Ein rapider, tanzbarer und mit unverkennbaren lateinamerikanischen Einflüssen treibender Beat ebnet sich straight seinen Weg durch den Track. Überzeugend fügen sich vor Allem die Synthsequenzen und abwechslungsreichen Melodien mit ein. Die Vocals kommen allerdings leider etwas schwach zur Geltung. Alles in allem ein vielversprechender und Laune-machender Einstieg.
Nach diesem clubbigen Song geht es mit “Execute” und einer klassischen EBM-Bassline begleitet von gekonnt abgemischten, straighten 4/4-Beatdrums vertraut zur Sache. Auch die Leads und tonalen Spurwechsel kommen gekonnt zur Geltung. Die mit starkem Reverb behafteten Vocals treten dabei wieder recht seicht gesprochen in Erscheinung, ergänzen sich jedoch trotz allem ganz gut ins Gesamtgemisch. Ein cooler Song mit viel Liebe für klangliche Detail-Arbeit.
Auch bei “Interconnected” bleibt es erwartungsvoll EBM-lastig, hier überzeugen vor Allem die variationsreichen Percussion-Drums und ebenfalls die rapide Synthsequenz. Es wird mit Vocals und Effekten experimentiert welche sich harmonisch in den Song hinein integrieren. Die Vocals kommen hierbei klar und gelungen zur Geltung. Auch die ab dem Mittelteil sich eingliedernden Pads sorgen dafür, dass dieser treibende Song positiv ins Gemüt fährt. Klasse Track!
Etwas detuneter wirkt dann die eindringliche Bassline von “Bodytemple”. Während die Drum-Elemente nach wie vor überzeugend erscheinen scheinen sich hier Seitens der Synthsequenzen einige tonale, wenn auch gewollte, Verschiebungen zu ergeben. Die dezenten Vocals kommen jedoch kräftig zur Geltung und gliedern sich vom Timing gekonnt in den Song. Die Breaks wissen durch effektreiche Spielereien zu überzeugen und auch dieser Track liefert einen coolen Wumms.
Zero Day” verschafft sich zunächst mit atmosphärischen Elementen und einer militanten Drumline Aufmerksamkeit bevor der Fokus dann wieder zu einer deutlich anderen Bassline hinüber schweift, welche eine komplett neue Tonalität aufweist. Ein vergleichsweise etwas ruhigerer und auch dunklerer Song, den man sich gerne zu Gemüte führt.
Mit einer dumpfen, dunklen EBM-Bassline liefert auch “Kapital” nach. Die Drums sowie die Synths kommen hier extrem kräftig rüber und sorgen dafür, dass wohl keiner die Beine mehr still halten kann. Nitzer Ebb-artige Snare-Elemente kommen ebenfalls gekonnt zur Geltung. Die Vocals tragen dabei einen Ticken zu dick auf und häten wohl geshoutet besser hinein gepasst als mit verschrobenem Sprechgesang. An sich jedoch ein weiterer super Track!
“Resist” ist bei vielen EBM-Bands ein beliebter Songtitel. Auch dieser Track schafft es wieder einen recht klassischen Sprung hin zu bekommen und “Sprung” ist hier genau der richtige Ausdruck. Die Basssequnenz springt förmlich mit den Drums auf und ab während die Leads ihr Übriges tun das Ganze noch zu verstärken. Auch dieser Track macht ordentlich Laune und regt dazu an das Tanzbein zu schwingen! Erwähnenswert wäre noch, dass das Mastering auf diesem Album hervorragend ist.
Der nächste Song orientiert sich wieder an eine Raubtier-artige Politik, was der Titel “No Fracking USA” klar zum Ausdruck bringt. Die sich zunächst zurückhaltende Bassline wird von deutlich penetranteren Leads in gleicher Tonfolge gelayert. Die Drums sind wieder mal kräftig und treibend. Die Vocals bedienen sich hier der eigenen Landessprache und treten mit einem Rap in Erscheinung. Allerdings ist die Tonalität hier etwas zu wild und unnachgiebig, so dass dem Track leider etwas Würze fehlt.
Auch bei “999MB” bleibt die Tonalität zunächst eigenartig, wird hier doch sehr viel geflangert. Dynamisch und treibend nimmt das Ganze doch recht Synthwave-artige Züge an. Die Leads treten hier ebenso kräftig wie die Drums in Erscheinung während das Ganze noch ordentlich an Tempo gewonnen zu haben scheint. Ein überaus unruhiger Song der in einem leicht Herzrasen hervorrufen kann.
Mit einem Friedensangebot liefert “Peace” dann noch den Abschluß dieses gelungenen Albums. Überraschenderweise ist man vom straighten Beat hier weg in eine Drum’n-Bass-artige Richtung gedriftet, was für eine wilkommene Abwechslung sorgt. Klangfarblich erscheint der Song äußerst abwechslungsreich in Anbetrach der unterschiedlich einfallenden Bass- & Lead-Synths. Fein ausgearbeitete Nummer.
Daraufhin kann man sich noch auf zwei bereits Eingangs erwähnte Remixe freuen!
Fazit:
Man darf ruhig zugeben, dass das aus Kolumbien stammende Projekt Struck 9 mit dem ihrem Album wirklich eine Überraschung abgeliefert haben. Während viele aus südamerikanischen Gefilden stammende EBM-Bands oftmals nicht ganz überzeugen konnten liefert Ritual Body Music ein deftiges Stück EBM ab, welches der Szene wirklich einen frischen Wind versetzt. Hier werden sowohl Oldschool- wie auch moderne EBM-Elemente gekonnt zusammen gemischt und zu einer gesamtheitlich toll klingenden Symbiose vereint. Jedem Stomper sollten die meisten Klänge sehr vertraut  sein. Hoch anrechnen darf man jedoch auch, dass sich kaum ein Song ähnelt und trotz der straighten Linie immer was neues, abwechslungsreiches aus einzelnen Titeln hervorgeht. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass die Vocals ab und an unausgereift zur Geltung kommen und auch etwas kräftiger erscheinen sein könnten. Instrumentell ist das Album jedoch top und eine Empfehlung für jeden der mal wieder ein richtig gutes EBM-Album in Händen halten will. Respekt dafür – absoluter Geheimtipp!
mmm