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Resistor – Driving Force | Review by Mensch-Maschinen-Musik

Südamerika hat sich besonders im letzten Jahrzehnt einen Namen als blühender Nachwuchskontinent im verstaubten EBM-Genre machen können und sorgte immer wieder für einige imposante Überraschungen. Aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá stammt beispielsweise nicht nur das energische Struck 9-Duo, sondern auch ein bis dato noch relativ unbekanntes Projekt Namens Resistor. Das Projekt selbst veröffentlichte bereits vor fünf Jahren eine einzige EP mit dem Titel “Breathe” auf der sich bislang nur der gleichnamige Track sowie 10 weitere Remixe davon verschiedener Künstler befinden. Somit war es bisher auch kaum möglich ein gesamtheitliches Urteil über dieses Projekt zu fällen. Der Künstler dahinter hört auf den Namen Neuromancer und auch sonst ist nicht allzu viel bekannt darüber. Als Einflüsse werden jedoch klassische Beispiele wie Nitzer Ebb, Spetsnaz & Orange Sector genannt. Doch ehe man sich versieht erschien kürzlich ohne großartige Vorankündigung beim Newcomer-fördernden Label EK Product das Debut-Album mit dem Titel Driving Force. Darauf befinden sich zehn neue Tracks sowie zwei Remixe mit einer Gesamtspieldauer von knapp fünfundvierzig Minuten. Ob Widerstand bei diesem Projekt jedoch zwecklos ist, muss sich jedoch noch bewahrheiten.

Das Album startet mit dem Intro-Song “Wir sind die Macht” und Donner-tosenden Stahlhämmerklängen sowie Industrial-lastigen Effekten. Zusätzlich ergänzen sich düstere Pads und eingänge Leads hinzu, welche für Spannungssteigerung sorgen sollen.

Daraufhin geht es auch schon los mit dem eigentlich ersten Track und dem gleichnamigen Album-Titel. Dieser startet mit einer monotonen Bassline, einfach gestrickten Drumbeats, die aus einer dicken Bassdrum und einer snappy Snare bestehen. Das Arrangement ist sehr klassisch umgesetzt und die Bassline sorgt für ein tanzbares Geschwurbel. Der Gesang versucht sich in harten Shouts, wirkt streckenweise jedoch etwas zu gepresst, auch wenn der Reverb-Effekt das Ganze teilweise abrundet. Eine klassische EBM-Nummer ohne großartige Schnörkel.

Mit einer rapiden Bassline legt “Reacción” nach. Hier ist die Einflußnahme durch Spetsnaz deutlich heraus zu hören, was vor allem aus der moderaten Drumrhythmik hervorgeht. Hier und da kracht mal ein Crash und ab und an bäumt sich der Track durch vulominösere Filter-Effekte durch. Die Shouts gliedern sich gut in den Track hinein, sind jedoch kaum verständlich. Alles in allem wirkt der Song jedoch stimmig und tanzbar.

“Bodybeat” setzt, wie der Name bereits andeutet, abermals auf eine sehr EBM-lastige Bassline, überrascht jedoch mit äußerst imposant und hervorragend abgemischten Drum-Elementen. Diese kommen gut durch und sorgen für einen dunklen und tanzbaren Track. Auch die Vocals kommen hier auf Grund einer zu Grunde liegenden Dynamik deutlich besser zur Geltung und das Arrangement bietet einiges an Abwechslung. Ein wirklich sehr gelungener Track, der von Anfang bis Ende zu gefallen weiß.

Als nächstes folgt mit “Icarus” eine etwas schnellere Nummer, deren Bassline sich zunächst zurück hält und vermehrt eine straighte Bassdrum in den Fokus rücken lässt. Die melodischen Sprünge wirken jedoch gut umgesetzt und die Vocals wissen ebenfalls auf Grund einer abwechslungsreichen Dynamik erneut zu gefallen. Mit verspielten Leads und imposanten Hat-Sequenzen legt der Song weiter nach und macht dadurch ebenfalls alles richtig. Eine wirklich schöne Nummer!

Mit dicken Bass-Synths und noch dickeren Drum-Elementen legt “Mente Mecánica” nach. Die Vocal-Shouts kommen hier laut und penetrant zum Tragen und wirken dadurch etwas störend. Im Refrain ergänzen sich zischende Sequenzen und melodiöse Leads hinzu, was das Gesamtbild etwas lockert. Allerdings ist der Gesamtmix wirklich zu viel des Guten, so dass der Track extrem unruhig und dadurch ungemütlich wirkt.

“Enter The Beat” beginnt mit zögerlichen Bass-Sequenzen, leicht gesprochenen Vocals und nach wie vor einfach gestrickten, straighten Drums. Diese variieren hier und da im Rahmen ihrer Dynamik und machen dadurch einen organischen Eindruck. Die Vocals sind jedoch auch bei diesem Track etwas zu viel des Guten und manchmal gilt einfach: Weniger ist mehr!

Der darauf folgende “Supernova” spielt zunächst mit einigen Industrial-Effekten, legt jedoch eine rapide klassische EBM-Bassline sowie dick auftragende Drums in den Vordergrund. Der Künstler überrascht hier mit deutschen Lyrics und versucht sich wohl in einer Stilistik, die an DAF & Jäger 90 erinnert. Würden die Drums nicht so dick auftragen, so könnte der Track durchaus eine runde Sache sein. Allerdings stellt das Dargebotene nicht wirklich etwas Besonderes dar.

Weiter geht es noch mit “Gossip” und einem etwas gemächlicherem Tempo. Zum Tragen kommen neben der vertrauten Bassdrum, deutliche Hat-Elemente und Delay-behaftete Sequenz-Spielereien. Der Mix wirkt jedoch etwas unreif und der Kompressor drückt auf Grund der dicken Drums die Vocals etwas weg. Das Arrangement ist gelungen, das Ganze bremst sich jedoch selbst aus.

Den Abschluß macht mit “Snow And Bronze” und einigen zischenden Lead-Synths sowie straighten Drums ein eher Synth Pop-lastiger Track. Der Künstler orientiert sich hier deutlich an Bands wie And One & Depeche Mode und versucht sich in Reverb-behaftetem cleanen Gesang. Die Töne werden nicht immer getroffen, nichts desto trotz ist es keine schlechte Nummer, die zu gefallen weiß.

Zuletzt kann man sich noch über zwei Remixe von TourDeForce & AD:Key freuen!

Fazit:

Es ist tatsächlich schwierig im EBM-Genre noch etwas Neues und bisher noch Ungehörtes zu liefern, denn gefühlt wurden bereits alle Variationsmöglichkeiten dieses doch recht übersichtlichen Genres praktiziert. Jedoch merkt man dem Projekt Resistor sehr deutlich an, dass man sich hier in erster Linie an europäische Vorbilder orientiert hat und wenig Eigeninitiative in Bewegung setzte um eigene Ideen zu kreieren. Fast jeder auf diesem sehr klassisch gestalteten Album befindliche Track erinnert entweder an Spetsnaz, Jäger 90 oder And One. Hinzu kommt noch, dass der Gesamtmix nicht wirklich ausgereift wirkt und die Drum- & Vocal-Elemente streckenweise viel zu dick auftragen. Zur Mitte hin wird das Album etwas besser, schwächt jedoch gegen Ende erneut ab. Zu Gute halten muss man eine gelungene Tonalität und Harmonie sowie eine zu Grunde liegende Leidenschaft am EBM an sich. Wenn das Projekt jedoch so weiter macht, wird es leider nicht sonderlich auffallen. Reinhören schadet jedoch nicht!