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Rebirth – The Worst Dream | Review by Mensch Maschinen Musik

by Batwarrior242 | Apr. 13, 2018 |

In anspruchsvollem Cover-Design erscheint das Debut-Album The Worst Dream des bislang noch unbekannten schweizer Musikprojekts Rebirth. Dahinter verbergen sich die Protagonisten Oliver Moser & Bruno Ruch, wobei vor Allem letzterer wahrlich kein Unbekannter ist. Bruno Ruch ist Mastermind seines Hauptprojekts Sleepwalk und veröffentlichte in den letzten 25 Jahre ein vielversprechendes Album nach dem anderen. Während die beiden aktuellen Sleepwalk-Alben EBM-lastiger wurden möchte man mit Rebirth wieder technoide Dark Electro-Wurzeln aufleben lassen wie der Name wohl bereits andeuten lässt. Das Album beinhaltet elf Tracks + zwei Remixes von Framework & Leather Strip und erscheint beim bereits vertrauten Underground-Label EK Product. Mehr als genug Gründe sich das Ganze mal zu Gemüte zu führen!

Mit einem gleichnamigen Projekt-Introsong beginnt das Album mit atmosphärischen Klangflächen und synthetischen Streicherpads, welche eine ambiente Stimmung zur Geltung bringen. Ein paar fein abgemischte Effekte runden das Intro noch ab und erzeugen epochale Spannung beim Hörer.
Nach zwei Minuten geht es dann auch schon zögerlich mit dem ersten Hauptsong “Terrorvision”, welcher abermals effektreich ansetzt, los. Dieser prischt mittels direkten Bass-Synths in angenehmer Klangfarbe nach vorne. Breakbeat-artige Drumloops ergänzen sich wunderbar ins Klangspektrum und umhüllen den Hörer vollständig. Die kräftigen Vocals sowie die darauf folgenden Vocoder-behafteten Anteile integrieren sich ebenfalls gekonnt in die Songstruktur mit hinein und verstärken die mechanoide Atmosphäre deutlich. Sehr schöner Track!
Mit “Pleasure Of The Flesh” offenbart sich überraschenderweise eine straighte Harsh Electro-Nummer bei dem ein schlichter 4/4-Takt und schwirrende Synth-Spieleieren eine ziemlich moderne Techno-Nummer formen. Ein umhüllender Effekt wird noch durch zusätzliche Soundflächen verstärkt. Die kräftigen Vocals hingegen wirken streckenweise etwas rausgepresst und überzeugen leider nur spärlich. Somit eine etwas schwächere Nummer.
“Cry In The Dark” hingegen beginnt sehr experimentell und kombiniert Glitch-Effekte mit schwurbelnden Bass-Sequenzen welche sich harmonisch recht gut zueinander bewegen. Eindrucksvoll erscheinen zusätzlich noch die im Hintergrund verhallenden Kickdrum-Elemente. Dieser Song kombiniert leicht verzerrte Vocals mit einem fein abgemischten Klangspektrum zu einer gelungenen Dark Electro/Industrial-Nummer.
Mit äußerst angenehmer Bassline und anspruchsvollen Effekten legt “Darkness” daraufhin von Beginn an los. Auch die Drumloops wissen ebenso schnell zu überzeugen wie die darauf anknüpfenden Effekt-behafteten Vocals. Der Song öffnet sich vor Allem im Refrain nochmals vollständig durch Einsatz von umhüllenden Klangflächen sowie Sawtooth-behafteten Sequenzen. Bester Track bisher!
“Your Worst Dream” startet imposant mit leisem Tickern und langsam nach vorne schwurbelnder Bassline. Der Track erinnert auf Grund seiner Dubstep-artigen Klangstruktur an Front Line Assembly’s letztes Album Echogenetic, was in erster Linie mit den effektbehafteten Vocals zusammenhängt. Dieser entpuppt sich immer weiter als experimentelles Klanggemisch mit starkem Fokus auf ein variationsreiches Effektdesign. Ebenfalls eine sehr gelungene Nummer.
Mit harten Breakbeat-Drums im Full Contact 69-Style geht es zunächst mit dem auf Deutsch gesungenen Song”Teufelsweib” weiter. Die Klangelemente schwurbeln auch hier sehr angenehm und gehen gelungen ineinander über jedoch erscheinen die Vocals dabei streckenweise leider als leicht störender Faktor, tragen sie doch etwas zu dick auf. An sich keine schlechte Nummer, auch wenn es hier etwas an Eleganz fehlt.
Eine klar technoide Nummer stellt dahingegen wieder “Good Sin” dar. Ein wahres Electro-Industrial-Feuerwerk mit einer Menge verquerer Klangfarben und leicht verstörenden Strukturen. Die Faszination liegt darin behaftet, dass sich dieser verquere Anteil trotz Allem harmonisch zum Rest des Songs ergänzt. Die kräftigen Vocals kommen darüber hinaus sehr gelungen rüber, was man bei einigen Songs leider vermissen durfte.
Eine Techno-Nummer wie sie im Buche steht könnte man zunächst bei “Unforgiven” erwarten. So ganz liegt man da aber auch nicht falsch, denn mit straighten Drumloops und verspielter Bassline geht es auch bei dieser Harsh Electro-Nummer schroff zur Sache. Die effektreichen Vocals liegen streckenweise nicht ganz im Takt und der Hörer bekommt hier auch keine vergleichsweise neue Nummer zu hören. Etwas zu viel in die Länge gezogene Monotonie.
Äußerst angenehm erscheinen daraufhin die ambienten Synthpads von “Insane”. Diese werden nach kurzer Zeit von einigen Samples und Basslastigen Synthsequenzen überschattet. Die Drumanteile in Kombination zu den übrigen Synth-Elementen erinnern dabei zunächst an klassischen Future Pop, durch die kräftigen Vocals wird man jedoch eines Besseren belehrt. Die Nummer entfaltet sich vor Allem im Refrain zu voller Größe.
Der letzte eigentliche Track des Albums nennt sich “Rise And Fall” und beginnt zunächst mit atmosphärischen Effekten, macht daraufhin weiter mit klassischen Drum-Elementen und Synth-Sequenzen in angenehmer Klangfarbe. Auch die Vocals wirken hier ausgeklügelt und kommen stark zur Geltung! Schöner Abschluß eines coolen Albums!
Fazit:
In letzter Zeit sind wirklich eine Menge neuer Dark Electro-Alben erschienen, das macht es natürlich heut zu Tage schwer einen Vergleich an Land zu ziehen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Das Schweizer Projekt Rebirth scheint es jedoch tatsächlich noch zu schaffen einen gewissen eigenen Stil zur Geltung zu bringen welcher sich auch nicht ohne weiteres in eine Schublade stecken lässt. Mit The Worst Dream ist ein Debut-Album erschienen, welches vor Allem Hörer der moderneren elektronischen Klangschule gefallen wird. Es wird viel ausprobiert und mit Effekten sowie unterschiedlichen Vocal-Anteilen experimentiert, dies gelingt in einigen Songs mal mehr, mal weniger gut. So ist es ebenfalls nicht leicht sich eine einheitliche Meinung über das Gesamtwerk zu bilden. Nichts desto trotz handelt es sich um ein zum großen Teil recht abwechslungsreiches Album bei dem jeder Track seine eigenen Facetten mit sich bringt und darüber hinaus wirklich sehr gut produziert wurde! Der geneigte Hörer wird bestimmt den ein oder anderen Song favorisieren können.
MMM