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Protectorate – S.T. | Review by Mensch-Maschinen-Musik

30.11.2016 | Batwarrior242 |


Bei Protectorate handelt es sich um ein Newcomer-Projekt aus Finnland welches dieses Jahr via dem renomierten italienischen Label EK Product das erste gleichnamige Album veröffentlicht. Hinter diesem Projekt steht niemand geringeres als Mastermind Kalle Lindberg welcher zusammen mit Lasse Alander unter dem Projektnamen Cardinal Noire bereits vor zwei Jahren ein fulminantes Debut-Album veröffentlicht hat. Mit Protectorate beschreitet er nun eigene Pfade, viel ist darüber jedoch nicht bekannt da es sich bei dem Protagonisten um einen eher ruhigeren, zurückhaltenderen Zeitgenossen handelt. Jedoch tut man gut daran einiges an brachialer Soundqualität erwarten zu dürfen.

Das mit acht Tracks relativ kurz gehaltene Machwerk beginnt zunächst mit dem Eingangssong “Exile” bei welchem sich bereits zu Beginn nach kurzer Zeit aggressiv zischende Sequenzen über düstere Flächen legen, kurz bevor dicke Basssynths und orchestrale Pads den Song weiterspinnen. Die bereits von Cardinal Noire vertrauten Vocals im Skinny Puppy-Stil sorgen desweiteren für eine starke Gänsehautatmosphäre. Eine komplexe Klanggewalt bei der sich vor Allem im Mittelteil die Sturkturen geformt von imposanten Sequenzen und interessanten Samples hervorragend ergänzen. Ein wirklich starker Einstieg mit einem Song, welcher wahrlich unter die Haut geht!

Weiter geht es mit “Infocon” und klirrenden Metalsamples. Die Grundsequenz behält ihren treibenden, gewaltigen Stil und Speed bei. Gleich nach kurzer Zeit triggern brachiale Drums in rapidem Kick-Snare-Wechsel einen tanzbaren Destruktivsong an. Das wird weitergesponnen durch dicke Zischeffekte und schwurbelnde LFOs. Auch hier bringen gelungen verzerrte Vocals eine entsprechend starke Atmosphäre zum Ausdruck. Eine geniale Nummer die von Anfang bis Ende ebenfalls zu überzeugen weiß!

Mit “Clean Break” und einer gefährlich anmutenden Basssequenz sowie einigen rhythmischen Gitarreneinlagen geht es im Synthwave-Stil weiter nach vorne. Auch dabei tritt nach einiger Zeit ein imposantes Wechselspiel zwischen Vocals und Instrumentalpassagen zum Vorschein. Die Drums wissen klanglich ebenfalls zu überzeugen auch wenn diese streckenweise leicht orientierungslos wirken. Die Atmosphäre ist diesem Klangmonster jedoch überaus gelungen. Hier hat sich Kalle wirklich mächtig ins Zeug gelegt!

“Neoreaktion” lautet der längste Track des Albums und beginnt zunächst mit lautem Industriegetose. Der eigentliche Song macht jedoch keine Faxen wieder dicke Basssynths, harte Drums und starke Vocals in den Vordergrund zu schieben. Eine verwirrend, schräge Nummer bei der abermals verspielt, düstere Sequenzen sowie einige schrammelnde Gitarrenrhythmen sich überlagern. Nach Einsatz der Stringpads bekommt man das Gefühl vermittelt es auf einmal mit einem ganz anderen Song zu tun zu haben, ebenfalls nach dem Wegfall dessen und dem Beginn neuer zischender Sequenzen. Dieser Song weiß gekonnt zu verstören und den Hörer in Verlegenheit zu bringen. Ein wildes Klangexperiment bei welchem die Struktur einem nicht ganz klar wird, vor allem zum Ende hin. Die Aufnahmen fallen jedoch desweiteren gigantisch aus!

“Proconsul” setzt ebenfalls dort an wo der letzte Song aufgehört hat und sorgt durch eine industrielle Stimmung für ein recht beklemmendes Gefühl! Nachdem etwas Anlauf genommen wurde stoßen abermals dicke Basssequenzen und weitläufige Klangflächen in den Vordergrund. Interessant ist vor Allem das gesetzte Timing welches so konfus und doch extrem harmonisch wirkt. Eine wahre Kunst das auf diese Art und Weise zu realisieren. Die Vocals werden hervorragend kompressiert und die Spannung Aufrecht gehalten.
Weiter geht es mit “Overproduction” und melancholischen Klangflächen, die aufstoßenden harten Drums kommen dabei leicht erschreckend zur Geltung während Noise-Klänge sowie eine basslastige Atmosphäre für einen düsteren Film-Score im Alien-Stil sorgen. Eine dunkle Kombination brachialer Zerstörungsgedanken gepaart mit melancholischer Sanftmütigkeit welche dem Hörer auch hier gekonnt entgegen geworfen wird.

Bei “Severed Heads” geht es vermutlich nicht um die gleichnamige Band, zumindest unterscheidet sich das Stilmittel stark davon. Dämonische Sprachsamples und geisterhafte Geräusche machen den Anfang bevor dezente Angriffsansätze durch einfache Synthklänge und harte Drums gepaart mit gekonnten Vocals sich verschmelzen. Eine relativ langsame Nummer welche den Hörer langsam aber sicher in seinen Bann zieht. Der Sound bleibt spannend und angriffslustig.

Den Abschluß dieses relativ kurz gehaltenen Albums macht “Empty Faces” und sorgt durch eine leicht verspielte Sequenz und stark gefilterte Klangflächen sowie langsam vor sich hin laufenden Drums zu Beginn für eine epochale Nummer. Eine deutlich schnellere Sequenz begleitet die vertraut verzerrten Vocals weiter. Auch hier ist die Atmosphäre äußerst gelungen umgesetzt und so findet mit dieser Dark Electro-Nummer das Album einen gekonnten Abschluß!

Fazit:
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Kalle Lindberg definitiv sein Handwerk versteht. Sein Soloprojekt Protectorate bietet mit seinem gleichnamigen Album ein wahres Klangfeuerwerk unterschiedlich konfuser Klänge und ist nicht sonderlich weit von dem entfernt was bereits mit Cardinal Noire veröffentlicht wurde. Dieses Album ist jedoch sogar etwas harmonischer, basslastiger und weniger komplex behaftet. Zu Beginn geben wilde, treibende Songs eher den Ton während das ganze Album im weiteren Verlauf zunehmend langsamer und nachdenklicher wird. Freunde von Skinny Puppy, Dead When I Found Her & Fix8:Sed8 solllten sich auch dieses Projekt auf jedenfall mal anhören!

Mensch-Maschinen-Musik