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Projekt 26 – Violets and Violence | Review by Mensch-Maschinen-Musik

Hinter dem Pseudonym Projekt 26 handelt es sich um ein noch relativ junges, frisches Electrogeschwader aus Augsburg hinter dem sich in erster Linie die beiden Brüder Timo & Nico befinden. Auf ein paar anfängliche Demo-Tracks via Soundcloud vor drei Jahren folgten eine Vielzahl von Live-Auftritten wie bspw. auf dem EBM Familientreffen 2015 sowie als stetiger Support-Act von angesehenen EBM & Dark Electro-Bands im Augsburger Raum. Lange ließ ein erstes offizielles Debut-Album auf sich warten, doch was lange währt wird endlich gut. So finden sich auf der neuen Violets And Violence welche bei EKP erscheint vierzehn neue Tracks sowie drei Remix-Versionen. Die Protagonisten setzen bei ihrer Klanggestaltung eine Liebe für modulare Sequenzgenerierung sowie analoge snappy Drums voraus und erschufen ihre eigene Mixtur zwischen EBM, Synthie Pop & Electropunk in gepflegtem Minimalismus. Das Albumcover wirkt auf Grund seiner Detailtiefe ebenfalls liebevoll gestaltet und bietet einen Grund mehr sich das Ganze mal genauer anzuhören.
Nach einem atmosphärisch gestalteten, knapp zwei-minütigem “Intro” folgt mit “Wake Up” und laserhaften Zischlauten sowie einer langsam von hinten heran schleichenden, poppigen Sequenz ein stimmungsmachender Song. Die Vocals treten dabei erzählerisch in Erscheinung und ergänzen sich gekonnt zu den straighten Drumloops sowie den minimalistischen Basslines. Auf gekonnt abgemischte Weise ergänzen sich ab der Hälfte noch Vocoder-generierte Lyrics sowie brachiale Shouts hinzu. Die Klangmixtur ist minimalistisch gehalten und streckenweise an eine Mischung aus Mind.In.A.Box & Spark! was bereits einen sympathsichen Einstieg liefert.
Deutlich bedrohlicher geht es mit “Blood For Blood” schroffer zur Sache. Hier folgen harte Shouts auf Vocoder-verzerrte Vocals welche musikalisch von detuneten Sequenzen und treibenden Drums ergänzt wird was EBM-Herzen höher schlägen lässt. Doch um einen Klischee-Song handelt es sich hier in keinster Weise, denn dieser weiß durch klangliche Überraschungen und eigensinnigen Effekten schnell zu überzeugen. Feine Sache!
Aufmerksame Hörer kennen den Song “God Dag” bereits von einigen Live-Auftritten. Hier wird er in einer gelungenen Studio-Version präsentiert und liefert einen eingängigen Stomper bestehend aus sauber abgemischten Klangstrukturen und im sympathischen schwedisch eingesungenen Vocals. Von schwedischen Künstlern ist man gerne mal gewöhnt, dass diese den ein oder anderen Song auf deutsch performen, also warum nicht andersrum?! Die dynamische Bassline kommt stark rüber, während eine abwechslungsreiche Drumgestaltung ebenfalls gelungen rüber kommt. Ein wirklich schöner Song!
Weiter geht es mit dem gleichnamigen Albumsong und abermals zum Tanzen einladende Synthsequenzen neben einer treibenden Trommelorgie. Die Shouts kommen dabei brachial und gut abgemischt zur Geltung. Der Song ruht sich dabei gern etwas auf seiner Hauptsequenz aus und bietet im Unterschied zu vorherigen weniger Abwechslung.
Auch “Burn” ist ein bereits seit längerem bekannter Track des P26-Kollektivs und dreht ordentlich an der Speedschraube Angesichts der treibenden Synthsequenzen. Die Shouts treten dabei stark in Erscheinung. Poppige Synthmelodien begleiten darüber hinaus die treibenden Sequenzen und straighten Drumverläufe. Ein klassischer EBM-Song, welcher zum Tanz einläd und auf seine minimalistische Art und Weise zu glänzen weiß.
“The Hunter & The Prey” macht weiter mit zischenden Klängen und abermals treibenden Strukturen. Dieser Song unterscheidet sich nicht sonderlich von letztem in seinem Aufbau und liefert grundlegend ähnlich helle Klangfarben. Das Ganze klingt dennoch weiterhin äußerst angenehm.
Die zweite Hälfte beginnt passend mit “A New Beginning” und einer deutlich Basslastigeren EBM-Sequenz. Die Vocals zu diesem klassischen Stomper durfte zudem Willem Witte von Pantser Fabriek  liefern. Der gesamte Song klingt deutlich maschineller und EBM-lastiger und unterscheidet sich dabei stark von der ersten Albumhälfte.
In überraschend, atmosphärischem Gewand setzt “Stars And The Moon” noch einen drauf. Nach dem Einstieg durch zarte Klangpads tritt aus dem Hintergrund eine vertraut poppige Sequenz in Erscheinung, welche von einem clubbigen Beat begleitet wird. Neben klar abklingende Breaks stoßen noch klar eingesungene Vocals hinzu. Ein äußerst angenehm und schön abgemischster Song, welchen man sich gern bis zum Schluß anhört.
Weiter geht es mit “Destiny” und dediziert schwurbelnden Synthsequenzen. Nach kurzer Zeit überlagern noch klanglich fein abgestimmte weitere Sequenzen und ebenfalls gut eingesungene Vocals den Song welche sich ein Wechselspiel mit dem Vocoder liefern.
Trancig wird es sogleich mit “Riot Time” bei dem zunächst poppige Melodien und abgehackte Sequenzen im Vordergrund sind. Diese werden ergänzt durch straighte Drums und abermals rauhe Shouts. Der Vocoder nimmt dabei die Funktion von Atmosphärepads ein. Ein interessanter und deutlich andersartiger Song.
Zusammen mit Plastic Noise Experience wurde daraufhin der Song “Stockholm Syndrome” ins Leben gerufen. Diese Kooperation geht ganz klar aus den technoid, verzerrten Vocals hervor. Der gesamte Song ist deutlich technoider und macht auf Grund der experimentellen Klanggestaltung von Beginn an Spaß. Die beiden Stile ergänzen sich hervorragend zueinander und liefern ein angenehmes, klangliches Wechselspiel. Aus dem Melodieanteil ist der P26-Anteil jedoch ebenfalls deutlich heraus zu hören.
Auch “Back To The Future” kennt der aufmerksame Hörer bereits aus der letzten EP. Dieser Song entstand pünktlich zum Zeitpunkt als Marty McFly das Jahr 2015 erreichte und liefert vertraute Sequenzen, passende Samples und schroffe Shouts. Gute Nummer.
Der Song “Satellit” erfährt zum Abschluß auch noch ein 2017er Update und liefert rauhe Sequenzen, treibende Drums und eine klassische Songstruktur, welche auch New Wave-Hörer ansprechen könnte. Oldschool Union, SadoSato & Löwenhertz durften dann noch ein paar nette Remix-Versionen liefern.
Fazit:
Das Kollektiv Projekt 26 liefert mit ihrem Debut-Album Violets And Violence ein wirklich hörenswertes Debut-Album, welches unterschiedliche Geschmäcker bedient. Es finden sich sowohl klassische EBM-Stomps, Synthie Pop-Balladen wie auch wavige Electropunk-Attitüden auf diesem Album und bilden dabei immer wieder nette klangliche Überraschungen. Die Songs sind allesamt ideenreich wie auch eingängig  gestaltet und machen einen fein abgemischten Eindruck. Die Vocals kommen auf ganzer Linie stark zur Geltung und es finden sich so einige angenehme Floor-Stomper auf diesem Album. Einziges Manko: Einige Songs ähneln sich zu stark und lassen sich nur spärlich voneinander unterscheiden, etwas mehr Abwechslung wäre auch innerhalb der gewählten Melodien eine wünschenswert gewesen. Nichts desto trotz ist es ein wirklich gelungenes Album und eine Empfehlung für jeden, der sich von liebevoll gestalteter Sequenzgenerierung berieseln lassen möchte.
VIOLETS-AND-VIOLENCE