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Oldschool Union – Vartalovasara | Review by Mensch-Maschinen-Musik

Finnland ist nicht erst seit gestern bekannt als Schmelztiegel für gute und kreativ anspruchsvolle alternative Musikrichtungen. Das EBM-Genre ist jedoch generell eher weniger davon betroffen. Dennoch schaffen es auch immer wieder Acts aus dem hohen Norden durch neue und eindrucksvolle Projekte zu überzeugen. Das aus Tampere stammende Duo, welches auf den klassischen Namen Oldschool Union hört, ist alles andere als ein Newcomer. Das Projekt existiert nun bereits seit über einem Jahrzehnt und veröffentlichte in dieser Zeit drei Alben mit einem Abstand von je vier jahren, welche allesamt bei EK Product erschienen. Musikalisch verbirgt sich dahinter in erster Linie Mastermind Seppo Ahlstedt, welcher über viele Jahre die Band zusammen mit dem brachialen großwüchsigen Shouter Janne Vilen getragen hat. Kurz nach Veröffentlichung des letzten Albums “Perjantai” verließ dieser jedoch die Band schlagartig, so dass Seppo umplanen musste. Ein neuer Sänger musste also her. Dieser fand sich 2018 und wurde bereits auf mehreren Live-Bühnen präsentiert. Es war somit nur eine Frage der Zeit bis auch mit ihm ein neues Album aufgenommen werden konnte. Das besondere an der Band ist stets, dass alle Songs in der hart klingenden finnischen Muttersprache zur Geltung kommen, was trotz Verständnisschwierigkeiten dennoch authentisch wirkt. Darüber hinaus verarbeitet das Duo laut Aussage sehr viel Realitäts-bezogene Themen, die mit der finnischen Wirtschaft und Politik zu tun haben. Allerdings muss sich ein neuer Sänger auch immer erst beweisen, so darf man also nun gespannt sein was die vierte Auskopplung, welche auf den Namen Vartalovasara hört, zu bieten hat. Auch dieses Album erschien Anfang diesen Jahres erneut bei EKProduct und beinhaltet vierzehn neue Tracks mit einer Gesamtspieldauer von fünfundvierzig Minuten. Man darf also davon ausgehen, dass die meisten Tracks kurz und knackig sein werden.
Das Album startet mit dem Titel “Jonnet” und weitflächigen Synth Pads, sowie einigen atmosphärisch schwurbelnden Bass-Klängen während eine beruhigende Erzählerstimme eine Form von Intro einleitet. Nach kurzer Zeit sorgt eine rapide Hauptsequenz für einen temporeichen Song, welcher begleitet wird von sich zunächst zurück haltenden Drumbeats, die nach einiger Zeit jedoch an Fahrt gewinnen. Die Shouts kommen kräftig direkt und wechseln sich mit jaulenden Gesangseinlagen ab. Eine gewohnt monotone Nummer, die zum Stompen einladen möchte.
Darauf folgt mit dem gleichnamigen Albumsong eine bedrohliche Bassline mit entsprechend Presshammer-artigen Beats in schnellem Tempo, bei dem hier und da noch mit unterschiedlichen Snare-Klängen hantiert wird. Die Shouts drücken etwas stark und die Nummer wirkt auf Dauer extrem unruhig, grob und streckenweise ungelenk. Keine Zeit zum Verschnaufen, immer drauf, so lautet wohl die Devise.
“Varjojen Maa” setzt von Beginn eher auf schwedischen Stil und setzt auf tanzbare Leads, verspielte Sequenzen und straighte Drumbeats. Die Shouts drücken hier ebenfalls recht dicht und sind etwas zu viel des Guten, kommen jedoch besser zur Geltung als in vorherigem Song. Die Klangfarbe der gewählten Töne ist jedoch schön anzuhören, erinnert ein wenig an frühe Spark!-Werke und macht auch auf Dauer Spaß.
Pfeifend geht es mit “Teosto” weiter und einigen ironisch zu interpretierenden Gesprächseinlagen. Der eigentliche Track setzt sich aus einer breitbandigen variierenden Hauptsequenz, straighten Drumbeats in gleich bleibendem Tempo sowie einigen zischenden Lead-Einlagen zusammen. Die Shouts verharren hier etwas mehr im Hintergrund, was sich positiv auf den Gesamteindruck auswirkt. Auch wird dabei mehr auf Pausen gesetzt, was ebenfalls gut rüber kommt. Keine schlechte Nummer!
“Emo-Jari” setzt auf starke Detune-Einlagen bezüglich der Bassline, jedoch auch deutlich fetzigere Beats mit schöner Klangfarbe Seitens Bassdrum & Snare. Der Track bremst sich allerdings selbst aus als der Reverb-Anteil von der Bassline weg gezogen wird und die Shouts nicht ganz effektiv zur Geltung kommen. Etwas schade, denn Potenzial wäre hier nach wie vor ebenfalls vorhanden
Mit schweren Bass-Synths legt “Doris” weiter nach. Dabei handelt es sich um eine ganz klassische, schwer sitzende EBM-Nummer mit dicken Beats und tiefen Synth-Anteilen. Es knallt und zischt hier und da, während die Shouts in moderatem Tempo immer wieder zur Geltung kommen. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch findet man bei diesem Track auf Dauer Gefallen und darauf kommt es meist an.
Mit dem deutschen Titel “Alzheimer” und sehr starken Detune- und Distortion-Anteilen Seitens Hauptsequenz geht es weiter. Diese wirkt streckenweise überaus penetrant und hätte etwas weniger grob zur Geltung kommen können. Diesbezüglich dringen die abwechslungsreichen Beats nicht so wirklich gut durch, allerdings wissen die Shouts sich hier passend in den Track zu integrieren. Eine schwer zu beurteilende Nummer, da das Arrangement kreativ, die Tonalität jedoch leider etwas schwach, zur Geltung kommt.
“Frank” kommt von Beginn an deutlich clubbiger rüber und setzt auf tanzbare Beats und verspielte FM-Synth-Loops. Auch die einsetzenden Shouts machen Spaß, während sich der Track immer weiter aufbäumt und durch starke Kompressor-Effekte einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Mal eine durch und durch coole Nummer!
Weiter geht es mit “Sydänsuruja” und einer abermals verspielten EBM-Nummer im schwedischen Stil, welche tonal etwas an Batch ID oder Ekobrottsmyndigheten erinnert. Die Beats kommen mit groovigen Snaps zur Geltung, während die Bassline und auch die Vocals sich flüßig hinzu ergänzen. Diese Nummer ist durch und durch gelungen und weiß von Anfang und bis Ende zu gefallen!
Der darauf folgende “Darwinkarsin” setzt auf anfängliche Grobheit sowie Rauhheit und liefert eine straighte Bassline und direkte Drumbeats ohne großartige Vielfalt. Die Shouts dringen hier des Weiteren nicht so gut durch und im Großen und Ganzen hätte dieser Track etwas mehr Feinschliff vertragen können, da die dauerhafte Monotonie auf Dauer doch etwas anstrengend wirkt.
Mit dem schwer auszusprechenden Titel “Ostovoimayksikkö” geht es wiederum etwas grooviger zur Sache. Die Bassline weiß auf Grund ihrer breitbandigen und abwechslungsreichen Tonalität zu gefallen, kommt flüßig zur Geltung und integriert sich gut mit den akustisch klingenden Drum-Beats. Auch hier wissen die Shouts sich gut ins Gesamtbild zu integrieren und so fällt diese Nummer durch und durch positiv auf.
“24” war mal der Titel einer Serie, worauf sich dieser Track wohl inhaltlich auch bezieht, möchte man den anfänglichen Samples Glauben schenken. Diese Nummer ist straight, fetzt durch eine klassische EBM-Bassline und clubbigen Drumloops. Die Vocals kommen einfach gestrickt zur Geltung und ergänzen sich ebenfalls passend dazu, wobei der Refrain auf Grund zu starker Kompression doch etwas störend wirkt. Ein klassischer EBM-Track ohne Besonderheiten.
Der eigentlich letzte Track lautet “Iso Kone” und setzt wie zu erwarten war ebenfalls auf klassische EBM-Elemente, jedoch mit imposant fetzigen und abwechslungsreichen Drum-Elementen. Einzig Seitens der Bassline hätte etwas mehr Abwechslung nicht geschadet, dieser Track ist jedoch rein instrumentell recht imposant und dynamisch gestaltet und spart deutlich an Vocals, was dem Ganzen nicht schadet.
Zum Abschluß darf man sich noch über einen überaus Bass-lastigen und verspielten Remix zum gleichnamigen Album-Track der Augsburger Haudegen Projekt 26 freuen. Hier durfte natürlich der Vocoder-Einsatz nicht fehlen.
Fazit:
Das finnische EBM-Duo Oldschool Union liefert wie zu erwarten war auch mit Album Nummer vier ein klassisches EBM-Album ab. Es darf jedoch mit Fug und Recht behauptet werden, dass der Sängerwechsel nicht negativ ins Gewicht fiel und die einsetzenden Shouts auch auf diesem Album kräftig zur Geltung kommen. Kritik darf dahingehend darin ausgeübt werden, dass viele Songs sich oftmals zu sehr ähneln und etwas Abwechslung wahrlich nicht geschadet hätte. Darüber hinaus wirken nach wie vor sehr viele Tracks überaus grob und roh, so dass das ständige Presslufthämmern der Beats auf Dauer auch recht anstrengend wirkt. Hier und da kann sich der ein oder andere Track jedoch gerne mal in einer DJ-Playlist wiederfinden lassen. Es sind auch auf Vartalovasara einige wirklich sehr gelungene Nummern dabei, welche vor Allem an diverse schwedische EBM-Bands wie Spark!, Batch ID & Ekobrottsmyndigheten erinnern. Jedoch sucht man Überraschungen vergebens. Wer jedoch mal wieder knallharten EBM auf finnisch hören möchte, kann ruhig zugreifen.