Go to Promo Pool EKP

Visit Space Race Records

Deadly Injection – Taste Me! | Review by Mensch Maschinen Musik

by Vadim H. | 27.11.2018 |


Dass das aus Italien stammende Label EKProduct talentiert darin ist immer wieder gute und bisher unbekannte Newcomer an Land zu ziehen sollte sich mittlerweile herum gesprochen haben. Der Fokus liegt betont auf aktuelle Bands und Projekte, welche entweder dem Oldschool EBM der 1980er sowie dem Dark Electro der 1990er (oder auch beides zusammen) fröhnen und liefert immer wieder gelungenen Output. Ein weiteres bislang unbekanntes Projekt, welches sich in die EKP-Familie mit eingliedern darf, ist Deadly Injection. Das Projekt stammt aus Deutschland und wurde 2013 von einem Künstler Namens Louis Cyphre zum ersten mal ins Leben gerufen. Das Projekt nennt den eigenen Stil Retro EBM und gibt große Künstler wie Leather Strip & Front Line Assembly als Inspirationsquelle an. Nach einigen Veröffentlichungen auf diversen Compilations stieß die Künstlerin FeeLidae dazu und zusammen arbeiteten sie zwei Jahre an eben jenem kürzlich veröffentlichten Debut-Album mit dem Titel Taste Me!. Dieses liefert ein stilvoll designtes Cover Artwork mit dreizehn darauf befindlichen Tracks und ist vertrauterweise auf CD sowie digital erhältlich. Eine Menge Gründe der ganzen Sache mal ein genaueres Ohr zu schenken.
Ein sogenanntes “Intro” eröffnet das Album effektreich und mit düsteren Sample-Einlagen. Martialische Drums im Cyberpunk-Gewand sowie passend dazu gewählte orchestrale Pads, die gekonnt an den Charme alter Tage erinnern, spinnen das Ganze weiter. Industrial-lastig und klanglich stilvoll produziert gesellen sich noch klassische TB-303-Sequenzen sowie verträumte Melodien hinzu. Ein Intro, welches von Beginn an Lust auf mehr macht!
Mit dystopischen Effekten und harten Beats geht “Black Gold” daraufhin ans Eingemachte. Eine technoide und dynamische Bassline sorgt in Kombination mit gekonnt verzerrten Vocals für eine stimmungsgeladene Nummer. Energiereich und voller Wut tritt dieser Song in Erscheinung und erinnert an eine gekonnte Mischung aus Leaether Strip, Plastic Noise Experience & Suicide Commando. Ein gelungen inszenierter und schroff verzerrter Song, der weiß wie man Oldschool-Herzen höher schlagen lässt!
Mit ähnlicher Atmosphäre und einigen Sprachsamples setzt “Human Disease” daraufhin weiter an. Die FM-Synthese innerhalb der Sequenzen sowie die dazu stimmigen Electro-Pads in Kombination mit fein abgemischten Vocals erschaffen einen gelungenen und überaus tanzbaren Dark Electro-Song. Harmonisch gliedern sich noch weitere Sequenzen in den Gesamtmix und sorgen dafür, dass auch diese Nummer unter die Haut geht sowie ein überzeugendes Klangkonstrukt abliefert. Tolle Sache!
Etwas hochtöniger und minimalistischer wird es daraufhin bei “Blind Eyes”. Mit einer diesmal analog klingenden EBM-Bassline sowie fiepsigen, aber dennoch harmonisch sich dazu ergänzenden, Sequenzen wirkt diese Nummer sehr verspielt. Die Drums sowie die Vocals kommen im Vergleich zum restlichen Teil des Songs überraschend schroff und ergänzen sich nicht ganz so gelungen ins Klangbild. Allerdings muss man der Nummer anrechnen, dass die Pads dem Ganzen etwas an Dynamik dazu gewinnen lassen, was klanglich gut abgestimmt wirkt.
Beim gleichnamigen Albumsong bleibt es zunächst auf düstere Weise EBM-lastig. Während eine harte FM-Sequenz mit treibenden Drums nach vorne prischt kommen klasse, verzerrte Shouts und imposante Lyrics zum Einsatz. Eine Nummer, die streckenweise an alte Cat Rapes Dog erinnert und zum Pogo einläd. Auf Grund seiner gekonnt einsetzenden Impulshaltigkeit macht dies selbstredend eine Menge Spaß!
Mit einer klaren Ansage macht “Castrate The Rapist” weiter. Auch hier werden auf Grund der Chor-lastigen Pads, der dicken Drum-Elemente sowie der treibenden Sequenzen Erinnerungen an CRD wach. Der Track liefert eine klassische Struktur, welche sich aus coolen Darkwave-Flächen, Dark Electro-lastigen Stilistken sowie harten EBM-Strukturen zusammensetzt. Sehr schön abgemischt und gekonnt in Szene gesetzt.
Auch “Kevorkian” beginnt mit einer schroffen EBM-Bassline und liefert zusätzlich eine martialische Drum-Schlacht sowie imposante Effekte. Hier wurde die BPM-Zahl ordentlioch runter geschraubt, das bedrohliche Klangbild jedoch Aufrecht erhalten, so dass Analogien zu Pouppée Fabrikk wach werden. Die verzerrten Vocals im Suicide Commando-Stil ergänzen sich ebenso nahtlos hinzu wie die sich harmonisch anschließenden Wavepad-Elemente.
Mit “Deadly Injection” werden analoge Bass-Sequenzen sowie treibende Drums weiter gesponnen und liefern einen tanzbaren Song, welcher eine gekonnte Hommage an den raffinierten Klang der 1990er abliefert. Auch hier bleibt das gleichnamige Projekt seinem Stil treu und erhält einen hohen Wiedererkennungswert auf Grund der gelungenen Vocal-Abstimmung sowie weiterer gekonnt inszenierter Elemente dieses Oldschool Dark Electro-Tracks. Echt Klasse!
Mit schwurbelnden FX-Elementen und weiteren Sprachsamples sowie einer psychotischen EBM-Bassline geht “Bastard” daraufhin schroff zur Sache. Die Drums kommen straight, die Shouts erinnern an coolen Oldschool Sound im Schnitt Acht-Stil. Auch dieser Song ist klanghaft, tanzbar, rotzig und gut inszeniert. Eine wilde Mischung unterschiedlicher Stilistiken und Einflüsse, welche eine schöne Performance nach außen tragen.
Mit Sturmgewehr-artigen Synth-Sequenzen sowie Industrial-lastigen Percussion-Elementen setzt der rapide Song “Hypocrite” weiter einen drauf. In Kombination mit den sanftmütigen Pads erinnert das an frühe Evils Toy-Tage und Deadly Injection beweisen ein ums andere mal, dass das Projekt etwas von gekonnt eingesetzter Klangästhetik versteht!
Nachdem die Nummer so schnell zu Ende ging wie sie anfing versucht “Oppression” das Tempo Aufrecht zu halten. Während sich die Drums nicht sonderlich unterscheiden wird hier sequenziell wieder mehr auf FM gesetzt und schafft somit ein aggressives Klangbild mit harten Shouts und eingängigen Harmonien. Vor Allem im sich aufbäumenden Refrain gelangt der Track zu seiner vollen Größe!
Stark Distortion-lastig macht der darauf folgende “Gulag” weiter, welcher sich streckenweise im Industrial/Rhythm’n Noise wiederfindet. Die Melodie wirkt hier leider etwas unausgereift und die Härte geht streckenweise in seiner Monotonie unter. Die Vocals kommen hier halb geshoutet, halb gesprochen zur Geltung was sich auf den Hörer nicht ganz so klanghaft auswirkt. Leider einer der schwächeren Songs auf diesem eigentlich äußerst gelungenen Album!
Zum Schluß gibt es mit “Sandy” noch einen nach wie vor sehr schnell inszenierten EBM-Track mit verspielten Sequenzen, straighten Drum-Beats und harten Shouts. Coole Sache, ein ruhigeres Ende wäre jedoch eine wilkommene Abwechslung zuletzt gewesen.
Fazit:
Das Debut-Album, welches Deadly Injection hier produziert haben ist eine wahrhaft positive Überraschung und so nahe am Oldschool Sound der späten 1980er/frühen 1990er dran wie schon lange kein aktuelles Album mehr. Man möchte kaum glauben, dass Taste Me! aus dem Jahre 2018 stammt. Die beiden Protagonsiten haben hier die volle Härte an EBM & Dark Electro der alten Tage zum Besten gegeben und sind ein großer Favorit auf den Newcomer des Jahres. Das Album beinhaltet alles was zu einem guten, aggressiven Electro-Album dazu gehört, so dass Fans von Leaether Strip, Suicide Commando, Evils Toy, Velvet Acid Christ, Cat Rapes Dog und alles was es noch an guten Bands aus den 1990ern gab daran ihre Freude haben werden. Ein paar Unausgereiftheiten sind jedoch auch hier zu erkennen, doch auch das hat irgendwo seinen Charme. Im Grunde genommen hat das Projekt jedoch alles richtig gemacht. Hier und da noch eine etwas ruhigere Nummer wäre ebenfalls eine willkommene Abwechslung gewesen. Trotzdem: Pflichtkauf!
Bewertung: 9(,5)/10
DEADLY-INJECTION-Taste-Me-2018