Go to Promo Pool EKP

Visit Space Race Records

Cardinal Noire – S.T. | Review by Mensch-Maschinen-Musik

Ein Release auf den man bereits seit mehreren Monaten gespannt sein durfte ist ohne Zweifel Cardinal Noire mit ihrem gleichnamigen Album. Dabei handelt es sich um das finnisch Duo Kalle Lindberg und Lasse Alander, welche ihr Debut-Album über das renomierte italienische EBM-Label EK Product vertreiben wollen. Es wurde auch wieder Zeit, dass dort für ein wenig frischen Wind gesorgt wird. Als Background sollte erwähnt werden, dass Kalle bereits seit über 10 Jahren mit einem Projekt Namens W424 tätig war und darüber hinaus auch in einer Industrial Metal-Formation aktiv. Nun gibt es also zusammen mit Lasse mit dem er seit einigen Jahren schon an der Sache dran ist die volle elektronische Dröhnung aus unterschiedlichsten Synthesizer-Richtungen.
 Mit dem auf halb-deutsch/halb-englisch formulierten Titel “Venom – The kognitiiv Dissidenz” geht es zu Beginn des Albums gleich mit einer regnerischen Atmosphäre und weichen Flächenpads los. Im Hintergrund vernimmt man einige Stimmen. Nichtsahnend scheint jedoch nach etwa einer Minute die Welt zusammenzubrechen wie es einem die unheimlich anmutenden und verstörenden Glitches und Crash-Geräusche vermitteln wollen. Ein starkes und vielversprechendes Intro!
Eben jene Atmosphäre wird zu Beginn von “Narkomat” (Video) ebenso weiter getragen. Doch allzu lange wird nicht mehr gefackelt, denn eine harte, schroffe Bassline und diskrete Vocals gehen direkt ins Trommelfell. Der Sound erinnert in seinem Gesamtklang stark an frühe Skinny Puppy-Werke. Der Rhythmus fügt sich gut in die verwirrende Klangstruktur ein und von überall scheint man verschiedenste Geräusche und verstörende Samples wahrzunehmen. Ein vor Komplexität und genialer Integration nur so strotzendes Klangwerk.
Der nächste Song “Eternal” lässt diese auf Grund seiner integrierten Distorten-Effekten regnerisch wirkende Flächenpads weiterlaufen. Die Bassline nimmt konkrete Strukturen an und macht allein schon auf Grund seiner feinen Übersteuerung einen feinen Eindruck. Die Vocals fügen sich super ein und man hat vor allem während des Refrains das Gefühl als würde der Song einen von innen heraus verspeisen. Ein böser und schaurig wirkender Sound, der einem ein wahres Gänsehautgefühl bereitet. Mehr davon!
Mit einer klassisch analogen Bassline beginnt auch “A New Machinery”. Hinzu gesellen sich noch fette Bässe, ein Rhythmus der es in sich hat und parolenartige Vocals die unter die Haut gehen. Den Charme und die Atmosphäre welche Cardinal Noire auf ihre dunkle Weise ausstrahlen würden sich super in jeden Horrorfilm integrieren lassen und es ist klar in welche Richtung dieses aufstrebende Musikprojekt zu gehen scheint. Bislang lässt das Album nichts vermissen und die Komplexität macht ebenso einen tiefgründigen wie tanzbaren Eindruck.
“White Dust” zieht erstmal lange Linien durch Flächenpads und Klangsamples. Die langgezogenen Vocals erinnern hier mehr an belgische Projekte in Form von The Klinik und Vomito Negro. Ein ausgestreckter, verstörender Filler voller fein ausgearbeiteter Synths und einem klasse Mastering.
Die Hälfte ist nun schon geschafft, was auf ein leider recht kurzes Album schließt. “Flagellant” hält jedoch noch so einige Überraschungen bereit. Mit dem Beginn durch eher langsame Beats und Drum’n Bass-Spielereien erwartet man eher einen entspannteren Song, doch das täuscht. Nach etwa einer Minute fängt der Song so richtig an zu explodieren und eine überaus agressive Sequenz sowie an zusätzlicher Härte gewinnende Beats umschließen den Song. Die Vocals sind diesbezüglich nicht weniger aggressiv. Harte Sache, schöne Sache und die Füße beginnen das Tanzen!
“Black Sustence” spielt mit der inneren Angst. Qualvolle Schreie und harte Drums eröffnen den Reigen zu einer wahren Höllenballade. So viel klangliche Einflüsse, die auch noch auf enorm gekonnte Weise zusammenwirken hat man in letzter Zeit eher selten gehört. Auch wenn es sich hierbei um einen eher schwächeren Song dieses Album handelt bleibt es trotzdem ein großartiges Soundfeuerwerk.
Weiter geht es mit “Purgation” und ein paar explosiven Geräuschen. Die Samples und Synths schaffen eine trashige Horroratmosphäre, die an B-Movies der 1970er Jahre erinnert. Nach etwa einer Minute folgen noch ein paar übersteuerte harte Beats und es wird viel mit Noise-Regulatoren und Kompression experimentiert. Es wirkt wie ein überaus dicker Filler, der noch kurz vor Ende des Albums das Finale einläuten möchte und eher an Melodien spart, aber mehr denn je an Werke von Skinny Puppy erinnert.
Der letzte Song des Albums ist auch der längste. “Mirror Shards” macht erst mal dort weiter wo der letzte Song aufgehört hat. Nach kurzer Zeit wird jedoch klar, dass es sich hierbei um einen eher langsamen Song handelt. Die Basssequenz dümpelt so vor sich hin, die Beats sind wieder fein ausgearbeitet und die Vocals wirken depressiv und frustriert. Ab und zu gesellen sich noch einige Melodien dazu. Ab der Mitte wird das Ganze dann wieder etwas experimenteller und nimmt etwas an Fahrt auf. Darüber hinaus sind auch eine Menge Noises und Glitches zu vernehmen und man hat das Gefühl, dass dieser Song das ganze Album in seiner Klangform nochmal Revue passieren lassen möchte. Ganz große Kunst!
Fazit:
Cardinal Noire sind mit ihrem Debut-Album ein wahres Meisterwerk gelungen, welches gut und gerne gehört wird. Das gleichnamige Album dieses interessanten Projekts strotzt nur so vor Komplexität und Klangvielfalt wie schon lange nicht mehr gehört. Man hat hier manchmal das Gefühl, dass die komplette Palette existierender Synths eingekauft und verwendet wurde. Sehr intensiv fällt hier die dunkle Horroratmosphäre und das fein ausgearbeitete Mastering auf. Es gibt wirklich kaum etwas was man diesem Album vorwerfen kann, außer dass man mit dem knapp halbstündigen Album leider recht schnell durch ist. Von den darauf befindlichen 9 Songs machen darüber hinaus 4 eher den Eindruck ein Filler zu sein, was aber keine qualitativen Einbußen mit sich trägt. Qalität vor Quantität lautet hier die Devise und genau so klingt das Ganze auch. Gerne mehr davon!
menschmaschinenmusik