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Atropine – Human Emulsion | Review by Mensch-Maschinen-Musik

Aus Norwegen stammen bekannterweise vermehrt Bands, welche Todesblei und Schwarzmetall zelebrieren. Doch auch das skandinavisch schön anzusehende Land, welches vor allem mit den Lofoten bestaunbar ist, bietet den ein oder anderen interessanten Künstler des elektronischen Untergrunds. Das Projekt Atropine gibt es auch nicht erst seit gestern, denn die dahinter stehenden Protagonisten mit den Künstlernamen Alx & Cthulberg sind bereits seit Mitte der 1990er aktiv. Nachdem sie jedoch Anfang der 2000er sang und klanglos verschwanden, schaffte es das italienische Label EKProduct Mitte der 2010er diese wieder aus der Versenkung zu holen. Seitdem wird alle Jahre wieder fleißig ein neues Album nach dem anderen veröffentlicht. Das hier vorliegende Human Emulsion setzt mit morbider Cover-Optik die Reise nun also fort und sprengt als 2CD-Veröffentlichung mit zwölf neuen Tracks sowie dreizehn Remix-Varianten durch einige namhafte Künstler den bisherigen Rahmen. Bereits das eigentliche Album ist mit einer Gesamtspieldauer von mehr als einer Stunde dicht bepackt und wartet nur darauf gehört zu werden.

Der anfängliche Track “Obeisance” fackelt nicht lange und gibt brachiale Breakbeats, Distortion-behaftete Vocals, melancholische Pads sowie FM-Bass-Synths zum Besten. Das Ganze klingt musikalisch ziemlich verquer, doch das ist man vom Projekt bereits aus der Vergangenheit gewohnt. Eine schräge Mixtur, die in Richtung Skinny Puppy sowie Mentallo & The Fixer schaut. Etwas schwer verdauliche Kost mit starkem künstlerischen Ansatz.

Daraufhin geht es mit verstörenden Industrial-Geräuschen und dem Song “Bulwerk” weiter. Dieser bremst sich streckenweise zunächst selbst etwas ab und sorgt für eine düstere Stimmung. Nach kurzer Zeit kommen raue Screaming-Vocals sowie tanzbare Beats zur Geltung. Auch diese Nummer erinnert sehr stark an Skinny Puppy und es ist auch nicht auszuschließen, dass entsprechende Dark Electro-Legende hier als Vorbild diente.

Weiter geht es mit minimalistischen Klängen und dem Song “Stalemate”. Dieser wartet auf mit einigen überraschend flippigen Bass-Sequenzen sowie verspielten Tonalitäten. Die sphärischen Pads klingen sehr schön und sorgen für einen imposanten Kontrast. Die Vocals kommen vertraut Distortion-lastig zur Geltung, gliedern sich jedoch gut in den Gesamtmix ein. Eine zugegebenermaßen ziemlich coole Nummer!

“Knife Vision” setzt die Reise Anfangs mit einigen Effekten fort, welche angetrieben werden von fetzigen Breakbeats sowie zusätzlich melodiösen Klängen. Die Aufbereitung des Songs erinnert auf Grund der angenehmen Lead-Synths an Dive, liefert zusätzlich jedoch noch einige brachiale Vocal-Screams, die einen imposanten Kontrast darstellen. Ein ziemlich ansprechender und eigensinniger Track.

Effektreich geht es auch mit “Subterfuge” weiter. Dieser mutet jedoch etwas spaciger an und spielt mit einigen verqueren Glitches. Die Vocals kommen dabei röchelnd zur Geltung, während die Bassline eher in sich geschlossen verspielter wirkt. Das wirkt relativ experimentell, ist jedoch wirklich schön und fürs Gehör wohltuend umgesetzt, auch wenn es auf Dauer etwas monoton wirkt.

Mit Horror-lastigen Effekten legt “Flesh Wreath” weiter nach. Neben einer eigensinnigen Geräusch-Kulisse, sorgen eine verquere Bassline sowie zirpende Lead-Synths für ein voluminöses Gesamtbild. Der Gesang kommt hier überraschend clean zur Geltung und steht dem Ganzen wirklich nicht schlecht. Dadurch bekommt dieser Song einen Touch in Richtung Cold Wave und zeigt somit eine ganz neue Facette des Projekts. Schöne Nummer!

Industrial-lastig wird es daraufhin mit “Missile Missive”. Dabei geht es relativ grob und einfach gestrickt zur Sache. Hier schrammen in erster Linie stark verzerrte und übersteuerte Drum-Parts, die alles andere als angenehm klingen. Dementsprechend stimmt sich auch der Gesang mit ein. Auch wenn das Ganze wohl gewohlt ist, ist es wirklich schwer verdaulich.

“Mutual Demise” legt hingegen wieder mehr Wert auf Minimalismus und liefert zunächst sich stark zurückhaltende Drum-Elemente, welche nach kurzer Zeit in brachiale Breakbeats und flippige Bass-Synths münden. Das Ganze hat etwas EBM-lastiges und wird begleitet von stark verzerrten Gesangseinlagen, welche sich jedoch gut ins Gesamtbild eingliedern. Im Gesamtmix betrachtet nicht uncool das Ganze.

Darauf schließt “Septic Stare” nahtlos mit stark technoiden Einlagen und nach vorne preschenden Drumbeats an. Die Vocals gehen dabei vermehrt in eine eher jaulende Richtung, wissen sich jedoch in diesen leicht Drum’n Bass-angehauchten Song gut zu integrieren. Das Ganze mutet künstlerisch an, wenn auch die Monotonie etwas zu eindringlich wirkt.

Der nächste Song nennt sich “Dub Sermon” und beginnt zunächst zurückhaltend mit einigen Samples sowie groovigen Drumbeats. Dies unterscheidet sich nicht sonderlich von vergangenen Songs und wird mit einigen melancholischen Chor Pads abgerundet.

“Transit” setzt darauf wieder auf einige creepy Geräusche sowie vertrauten Vocal Samples. Nach kurzer Zeit kommen eine EBM-lastige Bassline und erneut Skinny Puppy-artige Vocals zum Tragen. Das wirkt streckenweise leider etwas dünn und besticht in erster Linie durch ein vertrautes Gesamtbild.

Den Abschluß macht noch “Erasing” mit einigen wirklich schönen Lead-Synths, nachklingenden Pads und auf diese Weise einen äußerst angenehmen Gesamtbild. Eine wirklich schöner und verträumt ambienter Track, der nochmal das Beste aus dem Projekt zur Geltung bringt.
Wem das noch nicht genug ist, der darf sich noch über so einige Remixe unter anderem von bekannten Acts wie Kant Kino, Amnistia & Pyrroline freuen.

Fazit:

Zugegebenermaßen konnten Atropine mit dem hier gelieferten, neuen Gesamtwerk wirklich überaus positiv überraschen. Dass die Band etwas auf dem Kasten hat, steht außer Frage. Jedoch waren vergangene Releases größtenteils eher schwer verdaulich und hatten lediglich ihre Momente. Hier ist es genau anders herum, es fällt nämlich schwer allgemeine Kritik auf das künstlerische Machwerk hinter Human Emulsion auszuüben. Das Album ist wirklich abwechslungsreich und mit einer Liebe zum Detail gestaltet. Die beiden Protagonisten wissen dabei sehr gut unterschiedliche Stile aufzufahren und trotzdem ihrem eigenen treu zu bleiben. Darüber hinaus ist auch der Gesamtmix ziemlich gut produziert und bietet einen facettenreich, melancholischen Eindruck. Vor allem Fans von Skinny Puppy kommen hier voll auf ihre Kosten. Ein echter Geheimtipp, der gerne mal genauer und öfter angehört werden darf!